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Ein neuer Regenbogen steht im polnischen Kryzowa

70 Jahre nach dem 1. September 1939, dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen und dem Beginn des 2. Weltkrieges kam im ehemaligen Kreisau die Enkelgeneration derer zusammen, die sich 1939 feindlich gegenüberstanden. Gemeinsam mit südafrikanischen Jugendlichen bauten sie aus Robinienholz einen rund 16 Meter langen, zwei Meter breiten und fünf Meter hohen Regenbogen unter der fachkundigen Anleitung von Klaus Peter Gust (Geschäftsführer) und Sascha Glowik (Verkaufsleiter) der Firma SIK-Holz.

Das Internationale Begegnungszentrum Kreisau ist zu diesem Anlass ein gut gewählter Ort: Kreisau war die Heimat von Helmuth James Graf von Moltke. Moltke war einer der führenden Köpfe des Kreisauer Kreises, einer Widerstandsgruppe, die sich meist in Berlin, aber auch auf dem Kreisauer Gut traf. Hier dachte man gemeinsam über eine liberale, proeuropäische Nachkriegsordnung für die Zeit nach dem Fall der Nationalsozialisten nach.
Die “Kreisauer” sahen sehr früh “nicht nur die Verwüstungen der Städte, sondern auch die entsetzlichen Verwüstungen in den Köpfen und Herzen der Menschen”. Viele Mitglieder des Kreisauer Kreises wurden 1944/45 hingerichtet.

Nach dem Krieg wurde aus Kreisau das polnische Krzyżowa, aus dem Gutshof ein Staatsbetrieb. Das Dorf selbst geriet zunehmend in Vergessenheit. Das Erbe des Kreisauer Kreises wirkte nach 1945 jedoch weiter, in Deutschland wie in Polen. Viele Menschen sahen in den Mitgliedern dieser Gruppe Vorbilder für den toleranten und offenen Umgang miteinander, in ihren Ideen eine frühe politische Konzeption Europas, die nicht mehr durch Chauvinismus, übermächtige Nationalstaaten und die Herrschaft von Ideologien geprägt war.
Während in Berlin im November 1989 die Mauer fiel, nahmen der erste frei gewählte polnische Premierminister Tadeusz Mazowiecki und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl an einer Versöhnungsmesse in Kreisau teil. Das verfallene Gut wurde schlagartig ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt.
Im Sommer 1990 wurde die Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung gegründet, an der sich Polen und Deutsche aus Ost und West, aber auch Menschen aus anderen europäischen Ländern und den USA beteiligen.

Das Erbe der Kreisauer war aber nicht nur durch den Ort sehr gegenwärtig. In wechselnden Gruppen baute ein Teil der Jugendlichen am Regenbogen, während die anderen sich mit inhaltlichen Bezügen zum Regenbogen, zum Ort und zur eigenen Geschichte und Biografie befassten. Aber es blieb nicht nur beim Reden. Jeder Jugendliche gestaltete eine Keramikfliese zu der Frage: “Was gibt dir die Kraft, Unrecht nicht hinzunehmen und damit umzugehen?“ Diese Fliesen wurden zu einem Tisch zusammengefügt, dessen Mitte ein Holzkreuz bildet.

Es war der neunte Regenbogen den die Firma SIK-Holz gemeinsam mit der Nordelbischen Kirche in Kreisau gebaut hat. „Wir wollen eine bleibende Spur als Erinnerung an den gelungenen friedlichen Brückenbau zwischen den Kulturen und Nationen der Welt hinterlassen“, so Klaus-Peter Gust.

Bisherige Stationen des Regenbogen-Projektes:

1998 Südafrika, Johannesburg (Soweto)
1999 Deutschland, Berlin (Mauerpark)
2001 USA, New York (Albany)
2002 Deutschland, Lübeck
2004 Deutschland, Schwedt/ Oder
2005 Südafrika, Johannesburg
2007 Deutschland, Plön
2008 Paraguay, Asunción
2009 Kreisau, Polen

Beim Regenbogenbau in Kreisau waren neben der Firma SIK-Holz und der Ökumenischen Regionalstelle des Kirchenkreises Hamburg Ost, die Stiftung Kreisau, die Kreisau – Initiative Berlin und die Arbeitsstelle Gewalt überwinden der Nordelbischen Kirche beteiligt.
Mehr Informationen und Reiseberichte finden Sie auch auf der Website des Projektes unter WWW.RAINBOWPROJECT.DE

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