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Ein Regenbogen für Premnitz

Der 13. und letzte Regenbogen wurde in diesem Sommer innerhalb eines internationalen Jugendworkcamps, mit 30 Teilnehmern aus Deutschland, Südafrika, Kamerun und Israel, gesetzt. Der Bau des Regenbogens als Spielgerät fand in Premnitz im Rahmen der Bundesgartenschau 2015 und als Rückbegegnung des Regenbogenprojektes 2014 in Israel statt.

In vielen Kulturen gilt die 13 als Unglückszahl. Nicht so bei diesem Projekt. Man könnte eher die Redewendung „Jetzt schlägst dreizehn“ heranziehen und das Projekt als krönenden Abschluss einer langen Reise durch Länder und Kontinente beschreiben.

Wie in allen Projekten spielte die Auseinandersetzung mit Gewalt in Form von Rassismus, sozialer Deklassierung oder Nationalsozialismus in Gegenwart und Vergangenheit eine große Rolle. Neben der gemeinsamen Arbeit am bunten Klettergerät standen der Austausch über die Situation in den Heimatländern und die eigene Entwicklung auf dem Programm.

Gemeinsam besuchte die Gruppe das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen. Es war eine schwierige Situation in der die Enkelgenrationen der Täter und Opfer einen Ort des Grauens in der gemeinsamen Geschichte besuchten. Aber auch innerhalb der israelischen Gruppe brachen Emotionen über die Situation in ihrem Heimatland aus. Ein verbindendes Ritual der erinnernden Trauer an den Massengräbern in Sachsenhausen ließ die aktuellen und vergangenen Konflikte für einen Moment in den Hintergrund treten.

Neben der Arbeit am Regenbogen formte jeder auch eine persönliche Botschaft in Ton. Dem ging eine intensive Diskussion über erlebte Konflikte voraus. Gemeinsam suchte Gruppe nach einem Symbol für die Lösung dieses Konflikts. Zusammengesetzt ergeben die Tonfliesen ein buntes Puzzle von Hoffnungszeichen für eine bessere Welt. Vor diesem Puzzle steht eine überdimensionale Lupe. Sie ist das Symbol für die Suche nach Lösungen, die uns klug machen.

Nach zweiwöchiger Bauzeit war der Regenbogen fertig, die Lupe eingebaut und der Platz für die Eröffnung vorbereitet. Pastor Rolf Martin dankte der Stadt Premnitz für die Gastfreundschaft und die Überlassung des Schulgebäudes. Bürgermeister Wallenta und stellvertretender Superintendent Zastrow hoben die Notwendigkeit solcher Projekte zur Herstellung von Frieden hervor. SIK-Holz Geschäftsführer Klaus-Peter Gust erinnerte daran, dass nun Regenbögen auf vier Kontinenten stehen und die Welt miteinander verbinden. Am bewegendsten waren die Worte der Jugendlichen, die durch jeweils einen Jugendlichen aus jedem Land stellvertretend für die ganze Gruppe vorgetragen wurden. Hier ein Auszug:

„Während unserer gemeinsamen Zeit hier haben wir festgestellt, dass wir, um unsere Gemeinschaft aufrecht zu erhalten, noch viele Wunden heilen müssen. Wir genießen unser Miteinander aber wir sind uns bewusst, dass ein langfristiger Frieden uns abverlangt unsere Schmerzen wahrzunehmen, anzuerkennen und Verantwortung zu übernehmen. Dies ist ein langer und schwieriger Prozess, aber wir sind bereit weitere Schritte auf diesem Weg zu gehen, in den Ländern, in denen wir leben.“

Wir sind von der Ernsthaftigkeit dieser Worte überzeugt. Es gibt inzwischen eine große Regenbogengruppe die Dank der digitalen Medien trotz der großen Entfernungen in einem intensiven Kontakt steht.
Nach der Eröffnung fuhr die Gruppe nach Schloss Gollwitz, einer deutsch-jüdischen Begegnungsstätte, und arbeitete im Rahmen einer Zukunftswerkstatt an Perspektiven zur Überwindung von Gewalt. Das Projekt endete in Berlin. Der letzte Höhepunkt des Projektes war der Besuch des Reichstages mit einer persönlichen Führung.

Das vollständige Statement der Jugendlichen und weiterführende Berichte zum Regenbogenprojekt in Premnitz können Sie im Blog von Pfarrer Heinz-Joachim Lohmann auf der Seite der evangelischen Kirche Deutschlands Blog der ev. Kirche nachlesen. Auf der homepage des Regenbogenprojektes finden Sie zu allen Projekten Tagebucheinträge und Fotoalben.

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