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Ein Regenbogen im heiligen Land

Seit dem ersten Bau eines bespielbaren hölzernen Regenbogens 1998 in Soweto ist ein menschlicher Regenbogen entstanden, der Menschen aus vielen Ländern verbindet. Auch jüdische und arabische Israelis gehören nun zu diesem Regenbogen. Der zwölfte Regenbogen steht seit diesem Sommer in Israel. Der Sehnsuchtsort Jerusalem blieb unerreichbar, darum haben wir ihn in die harte und steinige Erde Galiläas gesetzt. Dort wo erste kleine Pflänzchen eines miteinander von Juden und Arabern wachsen und die Friedensinitiativen gerade auf eine harte Probe gestellt werden. Eine dieser Initiativen ist der Friedensgarten von Tilda und Amiram Goldin. Nach dem sinnlosen Sterben ihres Sohnes durch ein Selbstmordattentat in einem öffentlichen Bus, in dem ein Querschnitt aller in Israel vertretenen Bevölkerungsgruppen unterwegs war, errichteten sie diesen Garten als Ausgangspunkt für einen Weg zur Versöhnung.
Im Oktober des letzten Jahres lernen wir sie kennen und beschließen, ihre Initiative mit unserem Regenbogenprojekt zu unterstützen. Im Juni dieses Jahres ist alles vorbereitet – der Container mit Material und Werkzeug ist unterwegs, die Flüge für die Teilnehmer aus Südafrika, Polen und Deutschland sind gebucht. Auch die jüdischen und arabischen Jugendlichen aus Israel haben sich bei einem Vorbereitungswochenende kennen gelernt.
Da bricht er wieder aus – der ungelöste Konflikt. Junge Menschen werden entführt, getötet, Raketen geschossen. Israel kann die Raketen abfangen, die Menschen in Gaza können nicht fliehen.

Unser Ziel ist Bustan Not Meshutaf in Mizpe Aviv, ca. 100 km nördlich von Tel Aviv . Unser Partner Bustan Nof Meshutaf versichert uns, dass die Lage dort normal ist und, dass man gerade jetzt ein Zeichen für den Frieden setzen muss. Das wollen wir auch und entscheiden erst einmal nur als Leitungsteam zu fliegen. Die Eltern sind froh – die Jugendlichen sind enttäuscht. Die Lage ist wirklich ruhig. Mit einer kleinen Gruppe beginnen wir mit den Vorbereitungen. 5 Tage später kommen auch die deutschen und polnischen Jugendlichen, nun ist die Gruppe komplett.

Es wird ein gutes Projekt. Die 28 Jugendlichen werden gemischt und in 4 Familien aufgeteilt. Eine Gruppe arbeitet am Regenbogen. Die Arbeit ist hart. Die 30° Marke wird schon am frühen Vormittag erreicht. Zum Glück gibt es ab und zu eine Wolke am Himmel und etwas Wind dazu. Die andere Gruppe arbeitet an kleinen Friedenssymbolen aus Fliesenmosaiken. Dieses Symbol entwickelt jeder Teilnehmer für sich und hinterlässt es auf einen der unzähligen Steine im Friedensgarten. Eine weitere Gruppe ist mit der Essenszubereitung beschäftigt und die letzte Gruppe schreibt ein Tagebuch über den Vortag, bereitet das Abendprogramm vor oder kümmert sich um die steigende Zahl der Besucher des Gartens.

Die verschiedenen Religionen spielen während des Projektes kaum eine Rolle. Gebete gibt es nur in Form von Schweigeminuten für die Opfer des Krieges. Der Wunsch nach Frieden für Israel und Palästina ist allgegenwärtig.

Die Eröffnung ist am 25.7.2014 um 21.00 Uhr (nach dem Fastenbrechen) geplant. Bis zur letzten Minute wird gearbeitet. Es ist die erste Einweihung eines Regenbogens bei Nacht. Es ist eine ganz besondere Stimmung. Etwa 70 Menschen sind der Einladung in den Friedensgarten gefolgt. Es gibt beeindruckende Reden von Pastor Rolf Martin, Klaus-Peter Gust, Amiram Goldin und dem Bürgermeister des Landkreises. Es werden Grußworte des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier und der Bischöfin der Nordkirche Kirsten Fehrs verlesen. Für die Jugendlichen haben Lu aus Südafrika, Michael aus Polen, Johanna aus Deutschland, Roy und Saja aus Israel ein gemeinsames Statement verfasst. Dieses Statement überwindet jede Trennung. Es kommt von jungen Menschen aus einer Welt.

Auszug
“In den letzten beiden Wochen bildeten wir Freundschaften – Das könnt Ihr auch.
Wir lernten, Unterschiede zu akzeptieren – Das könnt Ihr auch.
Wir lebten als Gemeinschaft – Das könnt Ihr auch.
Wir entdeckten uns selbst und lernten voneinander – Das könnt Ihr auch.
Wir haben die Fähigkeit, dieses kleine Stück Land zu teilen und jeden einzelnen Moment miteinander zu genießen – Deshalb sind wir davon überzeugt, dass wir diesen wundervollen Platz teilen können und ein prosperierendes Leben in ihm haben.
Wir laden Euch ein, einander kennenzulernen, nicht morgen, nächste Woche oder nächstes Jahr, sondern JETZT.“

Eine Rückbegegnung wird es im nächsten Jahr in Deutschland im Rahmen der Bundesgartenschau geben. Dann werden diese oder auch andere Teilnehmer einen Regenbogen in Premnitz bauen und sich weiter für den Frieden in dieser Welt einsetzen.
Mehr über dieses beeindruckende Projekt können Sie auf der homepage des Regenbogenprojektes und auf dem Blog der ev. Kirche nachlesen

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