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Kreisende Kühe vor Frankfurt/Main

Natur und Stadt treffen sich an der Regionalparkroute RheinMain in Eschborn. Das jüngste Projekt »die Rinderwiesen« wurde im vergangenen Jahr eingeweiht. Das ökologisch aufgewertete Areal erstreckt sich über ca. 12 ha. Wege wurden zurückgebaut und ein Waldstreifen aus Bäumen und einheimischen Gehölzen gepflanzt. Zwei Wege führen durch die »Rinderwiesen« und verbinden zwei Attraktionen miteinander. Die Hauptattraktion ist ein Riesenkarussell mit einem Durchmesser von 8 m. Es ist das bisher größte bekannte Karussell auf einem öffentlichen Spielplatz. Auf ihm sitzen 4 große heimische Rinderskulpturen aus dem Hause SIK-Holz® und schauen mit ihren großen Augen auf ihresgleichen und auf die vorbeispazierenden Besucher. Klar, dass sie besonders Kinder anziehen, auf ihnen zu klettern und sich mit ihnen im Kreis zu drehen. Vom Rinderkarussell führt in direkter Blickachse ein Weg zu einem Aussichtspunkt der den Blick in die freie Landschaft, auf den Taunus und die Skyline von Frankfurt/Main eröffnet. Beide Plätze sind mit großen hölzernen Heuballen ausgestattet, die je nach Anordnung zum Sitzen und Klettern einladen.

Das Rinderkarussell bietet Platz für max. 50 Personen und kann eine Gesamtlast von max. 4 t aufnehmen. Das sieht man dem oberen Teils des Karussells nicht an. Das Wesentliche befindet sich unter der Erde. Durch das Antriebsrad auf der Plattform werden unter der Erde Zahnräder in Betrieb gesetzt, die wiederum einen Drehkranz antreiben. Für die Auflage des Karussells wurde ein 2 m tiefes und 40 cm starkes Ringfundament erstellt. Das Fundament schließt mit einem EPDM Belag ab, welcher wiederum bodengleich zur Drehplattform ist, um eine Befahrbarkeit mit dem Rollstuhl zu gewährleisten. Eine Präzisionsarbeit, in der die Monteure der Firma SIK-Holz® eine Meisterleistung vollbracht haben.

Neben den künstlerischen und technischen Leistungen, die dieses Projekt forderte, soll auch nicht unerwähnt bleiben, welche Historie in dem verbauten Material steckt. Die Rinder und Strohballen wurden aus Eichen geschnitzt, die auf ein stattliches Alter von ca. 285 Jahren zurückblicken können. Sie stammen aus dem Oderbruch, das zwischen 1718 und 1782 unter den preußischen Königen melioriert wurde. Auf ca. 1000.000 ha wurde so neues Land für ca. 300.000 Kolonisten geschaffen.
Von Anfang an wurde auf eine nachhaltige Waldwirtschaft großen Wert gelegt. Durch den niedrigen Wasserstand konnten die Eichen flache Wurzeln ausbilden. Durch die Senkung des Grundwasserspiegels in den letzten 50 Jahren, eine Folge der extensiven Feldwirtschaft und Beregnung, konnten die alten Eichen sich nicht mehr durch das Ausbilden von tiefen Wurzeln an die veränderten Umweltbedingungen anpassen. Sie haben die Wende nicht überlebt. Sie trockneten auf dem stehenden Stamm aus.

Glück für die Holz-Rinder. Durch die gute Zusammenarbeit zwischen Ost und West wurden die alten Eichen zu neuem Leben erweckt und fanden in Eschborn eine neue Heimat.
Das Projekt »Rinderkarussell« war eine große Herausforderung. Wir danken allen Mitarbeitern und Partnern, die sich mit Engagement in dieses Projekt eingebracht haben und der Stadt Eschborn, sowie dem Büro Beuerlein und Baumgartner für das entgegengebrachte Vertrauen.

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