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Ort der Stille

An dieser Stelle berichten wir in der Regel über neue innovative Produkte für Spielplätze und Wohnumfelder. Projekte, die Menschen zusammenbringen und glücklich machen. Doch es gibt auch Orte, die wir gestalten, an denen Menschen Stille suchen, sich aus der Welt zurückziehen wollen. Auch diese Orte gehören zu unserem Leben. In den Städten und Gemeinden erfüllen meist Friedhöfe diese Funktion. Aber es gibt auch andere Orte an denen Menschen Stille suchen. Krankenhäuser gehören zum Beispiel dazu. Hier müssen Menschen oft eine schlimme Diagnose oder den Verlust eines Menschen verkraften, Ereignisse die das bisherige Leben komplett verändern.

Einen solchen Ort gibt es seit einigen Monaten im Krankenhaus Luckenwalde. Initiiert wurde das Projekt von der Ethikkommission des Krankenhauses. Erste Gespräche dazu gab es schon 2012 zwischen Claudia Gust von der Firma SIK-Holz und dem Krankenhausseelsorger Johannes Lorenz. Er erklärte die Phasen der Trauer, die sie in einem Entwurf umsetzte. Dieser sah als Hauptelement ein künstlerisch gestaltetes Holzrelief aus großen gespaltenen Eichenblöcken vor. Durch das Spalten ergaben sich Spuren im Holz, die vertieft oder erhöht wurden. Das Prinzip der Gestaltung folgte den Phasen der Trauer von Verwirrung, Verneinung und Zorn im unteren und mittleren Bereich bis zur Akzeptanz und neuen Wegen im oberen Bereich des Reliefs.

Drei Jahre lag der Entwurf in der Schublade, bis ihn die Hebammen der Ethikkommission wieder aufnahmen. Sie spürten immer wieder gerade bei Frauen das Bedürfnis nach einer Fehl- oder Todgeburt an einem Ort bewusst trauern zu können.
Die Umsetzung des Projektes erfolgte bei SIK-Holz im Rahmen der Lehrausbildung für Holzbildhauer. Es wurden Gespräche vor Ort geführt, Studien angefertigt, das passende Holz gesucht und mit viel Sensibilität wurden die großen Eichenbohlen bearbeitet.
Die Holzstelen stehen eingebettet in eine Hainbuchenhecke, die den Besucher von der Außenwelt abschirmt. Auf einem Tisch ist ein Labyrinth aus Keramik eingelassen. Man kann es als ein Symbol für Anfang und Ende oder für den Weg zur Mitte des Lebens sehen. An dieser Stelle können die Besucher eine Kerze anzünden.

Stille und Licht sind heilende Impulse, um Trennungen und Verluste zu verarbeiten und Hoffnung und Zuversicht zu finden. Die Verarbeitung des Erlebten stellt somit das Ende eines Abschnittes und den Anfang eines Beginns dar. Dadurch entsteht das Gefühl des »Wiederankommens« im Leben.

Wir wünschen Ihnen bei all den schönen und weniger schönen Erlebnissen des zurückliegenden Jahres eine stille und besinnliche Adventszeit.

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